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Betrügerische Werbung überschwemmt das Meta-Werbeökosystem

Auf den Plattformen von Meta hat betrügerische Werbung ein Ausmaß erreicht, das kaum noch zu übersehen ist. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass etwa jede dritte auf Meta-Diensten ausgespielte Anzeige mit hoher Wahrscheinlichkeit Teil einer Betrugs-, Phishing- oder Malware-Kampagne ist. Trotz jahrelanger öffentlicher Zusicherungen zum Schutz der Nutzer wirkt der überwiegend reaktive Ansatz des Konzerns strukturell ungeeignet, um mit der Geschwindigkeit und dem Umfang organisierter Online-Kriminalität Schritt zu halten.

Meta selbst räumt ein, dass Online-Betrug und Werbung für verbotene Produkte Milliarden US-Dollar an Einnahmen generieren. Frühere interne Prognosen gingen davon aus, dass rund 10 % des Gesamtumsatzes im Jahr 2024 auf scambezogene Werbekampagnen zurückzuführen sein könnten. Diese Zahlen verstärken den Verdacht, dass wirtschaftliche Anreize und wirksame Betrugsbekämpfung nicht immer im Einklang stehen.

Umfang des Problems laut unabhängiger Analyse

Eine Anfang Februar veröffentlichte unabhängige Studie untersuchte die Verbreitung von Betrugsanzeigen auf Meta-eigenen Plattformen wie Facebook, Instagram, Threads, WhatsApp und Messenger. Grundlage der Analyse war die Meta Ad Transparency API, mit deren Hilfe über einen Zeitraum von 23 Tagen Anzeigen im Gebiet der Europäischen Union und des Vereinigten Königreichs ausgewertet wurden.

Insgesamt wurden 14,5 Millionen Werbeanzeigen analysiert. Davon wurden 30,99 % als betrugsbezogen eingestuft oder standen im Zusammenhang mit Phishing- oder Malware-Aktivitäten. Das entspricht rund 4,51 Millionen betrügerischen Anzeigen, die in diesem Zeitraum mehr als 300 Millionen Einblendungen erzielten.

Besonders auffällig ist die starke Konzentration auf wenige Akteure. Mehr als die Hälfte aller identifizierten Scam-Anzeigen (56 %) ließ sich lediglich zehn Werbetreibenden zuordnen. Diese Akteure agieren hochgradig organisiert und nutzen häufig identische technische Infrastrukturen, Domains und nahezu identische Werbetexte, um ihre Kampagnen schnell und effizient zu skalieren.

Typische Betrugsmuster und Werbeinhalte

Betrügerische Anzeigen auf Meta-Plattformen folgen wiederkehrenden Mustern, die gezielt auf Dringlichkeit, Vertrauen und emotionale Auslöser setzen. Zu den häufigsten Kategorien zählen:

  • Gefälschte Produkte und Markenartikel, oft als zeitlich begrenzte Sonderangebote präsentiert

  • Betrügerische Anlage- und Investmentangebote mit unrealistischen Renditeversprechen

  • Illegale oder nicht zugelassene medizinische Produkte, darunter angebliche Wundermittel

  • Illegale Online-Casinos und Glücksspielplattformen

  • Gefälschte Konzert- und Veranstaltungstickets

  • Kryptobezogene Betrugsmodelle, etwa Fake-Börsen oder Wallet-Abzocke

Zunehmend verbreitet sind Impersonationskampagnen, bei denen bekannte Persönlichkeiten, Politiker oder Prominente ohne deren Wissen missbraucht werden. Diese Anzeigen kombinieren die Täuschung immer häufiger mit KI-generierten Deepfake-Videos und -Bildern, um Glaubwürdigkeit und Klickrate zu erhöhen.

Malvertising als zentraler Angriffsvektor

Malvertising – also Werbung mit schädlicher Zielsetzung – zählt inzwischen zu den größten Risiken für Endnutzer. Branchenübergreifende Auswertungen zeigen, dass rund 41 % aller Cyberangriffe auf Privatnutzer mit malvertisingbasierten Kampagnen in Verbindung stehen.

Meta-Plattformen bieten Cyberkriminellen ideale Bedingungen: enorme Reichweite, präzise Zielgruppenansprache, Verhaltensanalyse und schnelle Optimierung von Kampagnen. Angreifer bedienen sich dabei professioneller Marketingmethoden, beobachten Trends, testen Varianten und setzen auf psychologisch wirksame Botschaften. Zeitdruck, Angst vor dem Verpassen einer Gelegenheit und künstlich erzeugte Glaubwürdigkeit sind feste Bestandteile dieser Anzeigen.

Die Kombination aus exakter Zielsteuerung und massenhafter Ausspielung macht soziale Werbenetzwerke zu einem besonders effektiven Werkzeug für Betrug und Schadsoftwareverbreitung.

Reaktive Abwehr und strukturelle Schwächen

Sicherheitsforscher kritisieren seit Jahren, dass Metas Maßnahmen überwiegend reaktiv sind. Schädliche Anzeigen werden häufig erst nach Nutzerbeschwerden oder externen Hinweisen entfernt. Selbst dann erfolgt die Entfernung oft verzögert, wodurch betrügerische Kampagnen bereits Millionen Nutzer erreichen können.

Hinzu kommt die hohe Komplexität moderner, automatisierter Werbeprozesse. Anzeigen durchlaufen skalierte Prüfsysteme, die auf Geschwindigkeit optimiert sind und nicht auf tiefgehende inhaltliche Bewertung. Dadurch können Angreifer neue Kampagnen schneller starten, als Moderationssysteme reagieren können.

Studien zu Betrug in sozialen Netzwerken zeigen, dass rund 30 % aller dort beobachteten Betrugsfälle direkt aus bezahlter Werbung resultieren – ein Anteil, der diese Bedrohung zu einer der häufigsten im Werbeumfeld macht.

Interne Prioritäten und geschwächte Schutzmechanismen

Auch interne Unternehmensentscheidungen haben die Situation verschärft. Im Jahr 2023 reduzierte Meta Berichten zufolge Teams zur Bearbeitung von Marken- und Missbrauchsmeldungen und schränkte den Zugriff von Sicherheitsteams auf Rechenressourcen ein. Gleichzeitig wurden Investitionen in KI- und Virtual-Reality-Projekte ausgeweitet.

Experten kommen zu dem Schluss, dass nicht allein unzureichende Moderation das Kernproblem darstellt, sondern ein systemisches Ungleichgewicht. Die Werbeplattform ermöglicht hochskalierte Angriffe, während Schutzmaßnahmen langsamer, fragmentierter und durch wirtschaftliche Vorgaben begrenzt sind.

Vorwürfe wirtschaftlicher Interessen und interne Dokumente

Zusätzliche Brisanz erhielt das Thema durch Berichte über interne Dokumente aus den Jahren 2021 bis 2025. Daraus geht hervor, dass Mitarbeiter teilweise davon abgehalten worden sein sollen, schädliche Werbekonten zu sperren, um Umsatzeinbußen zu vermeiden, insbesondere im Zusammenhang mit der Finanzierung von KI-Entwicklungen.

Einigen Dokumenten zufolge blieben problematische Konten trotz hunderter Warnungen und Meldungen aktiv. Statt Sperrungen wurden teilweise höhere Werbegebühren erhoben, wodurch Kampagnen weiterlaufen konnten. In internen Bewertungen wurde sogar angedeutet, dass Metas Targeting-Systeme betrügerische Anzeigen gezielt an besonders klickaffine Nutzer ausgespielt haben könnten.

Stellungnahme von Meta und umstrittene Umsatzschätzungen

Meta weist diese Darstellung zurück und erklärt, die internen Unterlagen zeichneten ein verzerrtes und unvollständiges Bild der unternehmensinternen Prozesse. Der Konzern betont, dass die Bedeutung von Betrugsanzeigen für den Gesamtumsatz übertrieben dargestellt werde.

Zwar hatte Meta selbst zuvor prognostiziert, dass rund 16 Milliarden US-Dollar beziehungsweise etwa 10 % des Jahresumsatzes mit scambezogener Werbung in Verbindung stehen könnten, bezeichnet diese Schätzung inzwischen jedoch als zu hoch. Konkrete aktualisierte Zahlen wurden nicht veröffentlicht.

Im Februar wurden internen Teams für die Überprüfung von Werbekunden angeblich Grenzen gesetzt, Maßnahmen zu ergreifen, die einen Umsatzrückgang von mehr als 0,15 % des Gesamtumsatzes verursachen könnten. Meta widerspricht dieser Darstellung und erklärt, es sei lediglich darum gegangen, Fehlentscheidungen und unnötige Sperrungen legitimer Werbung zu vermeiden.

Die verfügbaren Daten deuten darauf hin, dass betrügerische Werbung auf Meta-Plattformen kein Randphänomen ist, sondern ein strukturelles Ergebnis eines hochautomatisierten, gewinnorientierten Werbesystems. Solange Sicherheit, Moderation und wirtschaftliche Anreize nicht auf gleicher Ebene priorisiert werden, bleibt das Risiko für Nutzer hoch – und reaktive Maßnahmen allein werden kaum ausreichen, um das Problem nachhaltig einzudämmen.



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