HF-Bandwahl-Tool

Die Wahl des richtigen HF-Bandes ist oft entscheidender als Sendeleistung oder Geräteaustattung. Dieses Tool zur HF-Bandwahl zeigt, welche Kurzwellenbänder im aktuellen Moment mit der höchsten Erfolgswahrscheinlichkeit nutzbar sind. Dabei werden die lokale Browser-Zeit, die gewünschte Zielentfernung, der Betriebsstil (SOTA, POTA, QRP, DX, digital, Notfunk), geomagnetische Bedingungen sowie die aktuelle Phase des 11-jährigen Sonnenzyklus berücksichtigt.

Es handelt sich um eine praxisnahe Entscheidungshilfe in Echtzeit, nicht um eine Vorhersage. Ziel ist es, schneller das richtige Band zu finden und die aktuellen Ausbreitungsbedingungen optimal zu nutzen.

HF Band Selection Calculator (Live Conditions)









Wie dieses HF-Bandwahl-Tool funktioniert

Der HF Band Selection Calculator wurde als erfahrungsbasierte, praxisorientierte Entscheidungshilfe für Funkamateure entwickelt. Er soll keine ionosphärischen Modelle ersetzen und keine Ausbreitungsprognosen für Tage im Voraus liefern. Stattdessen beantwortet er eine viel häufigere und unmittelbarere Frage: Welches HF-Band sollte ich jetzt gerade ausprobieren?

Die Ausbreitung auf Kurzwelle wird von wenigen, dominanten Faktoren bestimmt, die erfahrene Funkamateure intuitiv berücksichtigen. Dieses Tool greift genau diese Faktoren auf und wendet sie konsistent, sofort und ohne Rätselraten an. Durch die Kombination aus lokaler Zeit, Entfernung, Betriebsart, geomagnetischer Aktivität und Sonnenzyklusphase entstehen Empfehlungen, die dem realen Verhalten der HF-Ausbreitung im täglichen Funkbetrieb entsprechen.

Bewusst wurde auf unnötige Komplexität verzichtet. Es gibt keine Diagramme, keine externen Datenquellen und keine Serverabfragen. Alle Berechnungen erfolgen lokal im Browser. Dadurch ist das Tool schnell, zuverlässig und ideal für portablen Einsatz, Feldbetrieb oder Situationen mit eingeschränkter Internetverbindung.

Lokale Zeit und ihr Einfluss auf die HF-Ausbreitung

Die HF-Ausbreitung wird grundlegend von der Sonne gesteuert. Die Ionosphäre reagiert direkt auf die solare Strahlung, und diese Reaktion ändert sich im Tagesverlauf erheblich. Deshalb nutzt das Tool bewusst die lokale Zeit des Browsers als primäre zeitliche Referenz.

Tagsüber bildet sich die D-Schicht, die niedrige HF-Frequenzen stark absorbiert. Gleichzeitig ist die F-Schicht ausreichend ionisiert, um höhere Frequenzen zu tragen. Dadurch funktionieren Bänder wie 20 m, 15 m und zeitweise auch 10 m besonders gut, während 80 m und oft auch 40 m unter erhöhter Dämpfung leiden.

Nach Sonnenuntergang verschwindet die D-Schicht rasch. Niedrigere Frequenzen können wieder effizient ausbreiten. Deshalb verbessert sich 40 m am Abend deutlich, und 80 m wird in der Nacht zum dominanten Band. Die Übergangsphase rund um den lokalen Sonnenuntergang ist besonders interessant, da mehrere Bänder gleichzeitig nutzbar sein können.

Die Verwendung der lokalen Zeit statt UTC macht das Tool intuitiver und reduziert Bedienfehler. Gerade im portablen Betrieb denken die meisten Funkamateure in Begriffen wie „Mittag“, „später Nachmittag“ oder „nach Einbruch der Dunkelheit“. Für die unmittelbare Bandwahl sind lokale Sonnenbedingungen deutlich relevanter als die absolute UTC-Zeit.

Entfernung – wichtiger als viele andere Einstellungen

Die Zielentfernung ist einer der stärksten Prädiktoren für die erfolgreiche Bandwahl. Ein Band, das für DX hervorragend funktioniert, kann für regionale Verbindungen nahezu unbrauchbar sein – und umgekehrt. Deshalb behandelt das Tool die Entfernung als zentrale Eingabegröße.

Für kurze Distanzen, typischerweise unter einigen hundert Kilometern, dominiert die NVIS-Ausbreitung (Near Vertical Incidence Skywave). Hier sind niedrigere HF-Bänder wie 40 m am Tag und 80 m in der Nacht meist die zuverlässigsten Optionen. Höhere Bänder „überspringen“ nahe Stationen oft vollständig.

Für mittlere Entfernungen von einigen hundert bis etwa 1500 km sind 40 m und 20 m die Arbeitspferde. Welches Band besser funktioniert, hängt stark von der Tageszeit ab. In diesem Bereich finden viele regionale QSOs, Netze und portable Aktivitäten statt.

Für große Entfernungen und DX-Verbindungen gewinnen höhere Bänder zunehmend an Bedeutung. 20 m, 15 m und 10 m ermöglichen Mehrfachsprünge und große Skip-Distanzen, insbesondere bei günstigen solaren Bedingungen. Niedrigere Bänder können weiterhin funktionieren, doch Effizienz und Signal-Rausch-Verhältnis sprechen oft für höhere Frequenzen, wenn diese offen sind.

Das Tool bewertet die Entfernung immer zuerst und verfeinert die Empfehlung anschließend anhand von Tageszeit, Sonnenaktivität und Betriebsart.

Betriebsarten-Presets und reale Prioritäten

Unterschiedliche Betriebsarten stellen sehr unterschiedliche Anforderungen an Funkgerät und Antenne. Ein Band, das für eine feste Station mit großer Antenne ideal ist, kann für eine leichte portable Station ungeeignet sein. Deshalb enthält das Tool mehrere Betriebs-Presets, die typische Einsatzszenarien abbilden.

Das SOTA-Preset geht von geringer Leistung, einfachen Antennen und begrenzter Betriebszeit aus. Es bevorzugt Bänder mit guter Effizienz und vorhersehbarem Verhalten bei einfachen Drahtantennen und meidet besonders rausch- oder antennenkritische Bereiche.

Das POTA-Preset balanciert Mobilität und Leistung. Es betont Bänder, auf denen mit moderater Leistung und einfachen Antennen schnell Kontakte zustande kommen – ideal für Parkaktivierungen und entspannten Portabelbetrieb.

Das QRP-Preset priorisiert Signal-Rausch-Verhältnis gegenüber reiner Feldstärke. Es verschiebt Empfehlungen hin zu Bändern, auf denen effiziente Ausbreitung und Schwachsignal-Modi mit sehr geringer Leistung erfolgreich sind.

Das DX-Preset konzentriert sich auf große Entfernungen. Es bevorzugt höhere Bänder, wenn die Bedingungen es zulassen, insbesondere bei günstiger Sonnenaktivität und tagsüber.

Das Notfunk- oder NVIS-Preset legt den Fokus auf Zuverlässigkeit und Flächenabdeckung. Es favorisiert niedrige Bänder, die auch bei gestörten Bedingungen und eingeschränkten Antennen weiterhin funktionieren.

Mobile, digitale und Nacht-Presets folgen derselben Logik und passen die Empfehlungen an die jeweiligen Stärken und Einschränkungen an. Kein Preset hebt die Physik auf – sie lenken lediglich die Entscheidung in eine realistische Richtung.

Der Einfluss des 11-jährigen Sonnenzyklus

Der 11-jährige Sonnenzyklus ist einer der wichtigsten langfristigen Faktoren für die HF-Ausbreitung. Er bestimmt, wie stark die Ionosphäre ionisiert ist und wie hochfrequent zuverlässige Ausbreitung möglich ist.

Während des Sonnenminimums sind höhere HF-Bänder oft unzuverlässig oder über längere Zeiträume geschlossen. Niedrige Bänder dominieren, und 40 m, 30 m und 20 m werden intensiv genutzt.

In den ansteigenden und abfallenden Phasen verbessern sich die Bedingungen schrittweise. Mittlere Bänder werden stabiler, und höhere Bänder öffnen zeitweise, oft nur für bestimmte Tageszeiten.

Nahe dem Sonnenmaximum ist die Ionisation hoch genug, um häufige Öffnungen auf 15 m und 10 m zu ermöglichen – teilweise bis in die Abendstunden. In dieser Phase wirkt die Kurzwelle besonders lebendig, vor allem für DX-Betrieb.

Das Tool berücksichtigt den Sonnenzyklus als kontextuelle Anpassung, nicht als harten Schalter. Es erweitert oder begrenzt die Nutzung höherer Bänder behutsam, ohne unmittelbare Faktoren wie Tageszeit oder geomagnetische Aktivität zu ignorieren.

Geomagnetische Aktivität und die Bedeutung des Kp-Index

Geomagnetische Störungen können die HF-Ausbreitung teils innerhalb weniger Minuten deutlich verschlechtern. Der Kp-Index liefert eine einfache Einschätzung der aktuellen geomagnetischen Unruhe.

Niedrige Kp-Werte stehen für stabile Bedingungen, bei denen höhere Bänder nutzbar bleiben. Mit steigenden Kp-Werten werden höhere Frequenzen zuerst beeinträchtigt. Signale können instabil werden, Fading nimmt zu und das Rauschniveau steigt, besonders auf polaren Pfaden.

Das Tool reagiert auf erhöhte Kp-Werte, indem es die Gewichtung höherer Bänder reduziert und die Empfehlungen schrittweise zu niedrigeren, robusteren Frequenzen verschiebt – genau so, wie es erfahrene Funkamateure in der Praxis tun.

Warum dieses Tool keine Prognose ist

Dieses Tool ist bewusst keine Ausbreitungsprognose. Es versucht nicht, morgige Bandöffnungen vorherzusagen oder Ionosphärenschichten im Detail zu modellieren. Dafür gibt es spezialisierte Werkzeuge und langfristige Datensätze.

Der Fokus liegt auf der unmittelbaren Entscheidungshilfe. Es beantwortet die Frage, die sich beim Einschalten des Funkgeräts stellt: Wo fange ich jetzt an? Genau das macht es besonders wertvoll für portablen Betrieb, spontane Funkaktivitäten und Situationen mit begrenzter Zeit oder Ausrüstung.

Die Empfehlungen sind als Ausgangspunkt zu verstehen. HF-Ausbreitung bleibt variabel, und eigenes Ausprobieren ist immer sinnvoll.

Praktische Hinweise zur Interpretation der Ergebnisse

Das zuerst empfohlene Band ist in der Regel der beste Startpunkt. Ist dort wenig Aktivität oder hohes Störrauschen vorhanden, führt ein Wechsel zum nächsten vorgeschlagenen Band oft schneller zum Erfolg als langes Warten.

Lokales Störniveau, Antenneneffizienz und Gelände können theoretische Vorteile leicht überlagern. In Kombination mit eigener Erfahrung, Spotting-Netzwerken und Beobachtung liefert das Tool die besten Ergebnisse.

Viele Anwender stellen fest, dass die Empfehlungen mit der Zeit ihre eigene Intuition widerspiegeln und Entscheidungsprozesse beschleunigen.

Wer am meisten von diesem Tool profitiert

Dieses Tool richtet sich an Funkamateure, die effizient und zielgerichtet arbeiten möchten. Es hilft Einsteigern, ein Gefühl für HF-Ausbreitung zu entwickeln, und bietet erfahrenen Operatoren eine schnelle, konsistente Zweitmeinung.

Besonders profitieren portable Operatoren, SOTA- und POTA-Aktivatoren, QRP-Enthusiasten sowie mobile HF-Nutzer. Durch die Berücksichtigung von lokaler Zeit, Entfernung, Betriebsart, Sonnenzyklus und geomagnetischer Aktivität bildet das Tool den realen Funkbetrieb sehr praxisnah ab.

Bei regelmäßiger Nutzung geht es weniger darum, einer Empfehlung blind zu folgen, sondern vielmehr darum zu verstehen, warum bestimmte Bänder zu bestimmten Zeiten funktionieren.



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