OnePlus 15 test: Ein unauffälliges Flaggschiff, das richtig abliefert

Das OnePlus 15 ist so ein Smartphone, das nicht sofort „Ultra-Flaggschiff“ schreit – bis man es ein paar Tage wirklich nutzt. Optisch wirkt es bewusst zurückhaltend, haptisch hochwertig und im Alltag extrem souverän: schnell, stabil, sehr ausdauernd. Der große Haken? In einem Markt, in dem viele Käuferinnen und Käufer ein teures Handy vor allem wegen der besten Kamera kaufen, liefert das OnePlus 15 nicht in jeder Situation absolute Spitzenklasse – zumindest noch nicht.

OnePlus wurde 2013 mit dem Anspruch gegründet, den großen Marken zu zeigen: Ein durchdachtes, ausgewogenes High-End-Smartphone muss nicht unerschwinglich sein. Die ersten Modelle waren ein riesiger Erfolg, später gewann die Marke mit der Nord-Serie auch in der oberen Mittelklasse. Allerdings gab es auch schwächere Jahre – und die engere Verzahnung mit OPPO hat nicht zuletzt den Look & Feel von OxygenOS verändert.

Mit der OnePlus-15-Familie (die „14“ wird übersprungen) will der Hersteller sichtbar wieder angreifen. In Ungarn kommen gleich zwei Varianten: das preis-/leistungsstarke OnePlus 15R und das OnePlus 15 als echtes Flaggschiff ohne echte Sparmaßnahmen – bei gleichzeitig möglichst attraktivem Preis. Genau dieses Modell schauen wir uns hier an.

Design und Verarbeitung

Das OnePlus 15 ist „leise“ designt – aber nicht im Sinne von „zu dünn, zu wenig Features“, sondern als bewusste Designentscheidung. Besonders clever: OnePlus hat offensichtlich sportlich darum gekämpft, dass der Kamera-Buckel nicht zur typischen Wackelkatastrophe wird.

Statt eines riesigen, hoch aufragenden Kameramoduls sitzt die Kamerainsel seitlich und ragt nur etwa 1,5–2 mm heraus. Das hat zwei praktische Vorteile:

  • Das Gerät wackelt kaum auf dem Tisch.

  • In der Tasche stört der Buckel deutlich weniger.

Mit 8,1 mm Dicke und 211 g Gewicht bewegt sich das OnePlus 15 in typischen Flaggschiff-Dimensionen. Das Gewicht wirkt aber sofort logisch, wenn man sieht, was innen drin steckt – vor allem beim Akku.

Der Rahmen besteht aus einer Aluminiumlegierung mit flachen Kanten, die Rückseite aus Gorilla Glass 7i. In der Hand fühlt sich das griffig und hochwertig an, die Gewichtsverteilung ist sehr gut – „massiv, aber ausgewogen“ statt „schwer und kopflastig“.

Bei den Tasten bleibt es klassisch, plus Extra: oben links sitzt eine Action-Taste (Plus Key), deren Funktion man in der Software festlegen kann. Auch bei der Robustheit spielt OnePlus oben mit: IP68/IP69K steht für Staub- und Wasserschutz sowie Widerstand gegen starke Wasserstrahlen.

Display und Entsperren

Vorne schützt Gorilla Glass Victus 2 das Panel. Und das Display ist genau das, was man in dieser Klasse erwartet:

  • 6,78 Zoll LTPO AMOLED

  • Adaptives Refresh bis 165 Hz

  • 1 Milliarde Farben

  • HDR10+ und Dolby Vision

  • Bis zu 1800 Nits Spitzenhelligkeit

  • FHD+ (1272 × 2772)

Im Alltag bedeutet das: sehr scharf, sehr flüssig, sehr hochwertig – egal ob UI, Video oder Gaming. Die Selfie-Kamera sitzt zentral im Punch-Hole und bietet 32 MP mit Autofokus (immer noch ein Feature, das nicht jede Konkurrenz mitbringt).

Entsperrt wird per Ultraschall-Fingerprint in angenehmer Höhe. Der Sensor reagiert schnell und zuverlässig – ein „einmal einrichten und vergessen“-Feature. Nettes Detail: Ab Werk ist bereits eine Displayschutzfolie aufgebracht.

Akku und Laden

Das ist das große Highlight des OnePlus 15.

Akkukapazität: 7300 mAh.

Das ist für ein „normales“ Flaggschiff-Format enorm und wird durch moderne Silizium-Kohlenstoff-Akkutechnologie ermöglicht (höhere Energiedichte als klassische Li-Ion-Ansätze). OnePlus setzt aber nicht nur auf Kapazität, sondern auch auf Tempo:

  • Bis zu 120 W kabelgebunden

  • Bis zu 50 W kabellos

Im Testlauf unter Dauerlast waren knapp 30 Stunden drin – ein absoluter Labor-Bestwert. Im realen Alltag über rund anderthalb Wochen zeigte sich:

  • 2 volle Tage intensive Nutzung sind realistisch.

  • Bei leichteren Tagen sind auch 3 Tage drin (weniger Kamera/Video).

Das verändert den Alltag spürbar: statt „Wo ist das Ladegerät?“ eher „Wann lade ich eigentlich wieder?“.

Wichtig: Die maximalen 120 W erreicht man in der Regel nur mit einem passenden OnePlus-Ladesystem, nicht mit irgendeinem USB-PD-Netzteil. PD funktioniert natürlich, aber oft nicht mit dem vollen Marketing-Tempo. Je nach Aktion kann es sich lohnen, im europäischen OnePlus-Shop zu schauen – dort gibt es teils Bundles, bei denen der Charger dabei ist.

Performance und Temperaturen

Obwohl das OnePlus 15 im November in China erschien (also als 2025er Gerät gilt), steckt der neueste High-End-Chip drin:

  • Snapdragon 8 Elite Gen 5

  • 16 GB RAM

  • 512 GB Speicher

Auch bei der Ausstattung gibt’s kaum Wünsche:

  • 5G + eSIM

  • Wi-Fi 7

  • Bluetooth 6.0

  • NFC

  • IR-Blaster

  • Stereo-Lautsprecher

  • Volles GPS-Paket

Benchmarks liegen erwartbar hoch:

  • AnTuTu: stabil über 4 Millionen

  • Geekbench: sehr starke Multi-Core-Werte (über ~11.000)

  • 3DMark: top

PCMark machte in einzelnen Speicher-Tests Probleme, aber im Alltag wirkt das System nicht instabil: Apps starten sofort, Multitasking fühlt sich „ohne Grenzen“ an, Spiele laufen schnell.

Thermisch überzeugt das Gerät ebenfalls. Unter Dauerlast drosselte es auf etwa ~88%, was mild ist – und unangenehme Hitze war kein Thema.

Software: OxygenOS 16 auf Android 16

Wer „pures Google-Android“ will, ist hier nicht richtig – und das ist auch nicht der Anspruch. OxygenOS 16 ist stark angepasst, animiert und visuell auffällig. Man merkt den Einfluss der UI-Philosophie, die OnePlus über die engere Ökosystem-Nähe übernommen hat.

Überraschend: Das Ganze ist sehr poliert. Wenn man sich darauf einlässt, wirkt die Oberfläche modern, schnell und „premium“. Setup-Assistent, Einstellungen, Homescreen – überall gibt es Extras: Transparenz, Übergänge, Animationen, Effekte bei Buttons und Slidern.

Die Stärke liegt im Detail: Es gibt deutlich mehr Einstellmöglichkeiten als bei einem Pixel. Wer sich einmal durch die Optionen arbeitet, kann das Telefon spürbar personalisieren.

KI-Funktionen und „Mind Space“

Neben Google Gemini bietet OnePlus einen KI-Bereich mit Funktionen, die man ähnlich auch bei anderen Herstellern findet:

  • Übersetzer/Interpreter-Features

  • KI-Notizen und Zusammenfassungen

  • ein „Mind Space“-ähnlicher Bereich, in dem man Bilder sammelt und später nach Inhalten darin suchen kann

Das kann im Alltag wirklich praktisch sein – besonders, wenn man viele Screenshots, Dokumente oder Referenzen speichert.

Plus Key: stark – aber zu wenig flexibel

Die Action-Taste ist sinnvoll und schnell erreichbar. Man kann sie z. B. auf „Nicht stören“, Mind Space oder eine andere Kernfunktion legen.

Der Nachteil: Es wirkt so, als würde das System nur eine Interaktionsart unterstützen (z. B. einmal drücken). Doppel-Klick, langes Drücken mit zweiter Funktion etc. wären ein großer Mehrwert.

Kamera: starke Hardware, aber nicht immer „oberste Liga“

Auf dem Papier ist das Setup hochwertig: drei Kameras, alle mit 50 MP:

  • Hauptkamera: f/1.8 + OIS

  • Tele: OIS + PDAF + 3,5× optischer Zoom

  • Ultraweitwinkel: ebenfalls mit PDAF-Autofokus (Pluspunkt)

Dazu kommen:

  • Laser-Fokus

  • Spektralsensor

  • LED-Blitz

Manche werden das Fehlen eines 200-MP-Sensors kritisieren – in der Realität ist das nicht alles, aber im Flaggschiff-Marketing spielt die Zahl eben mit.

Tageslicht

Bei gutem Licht sind die Fotos insgesamt sehr gelungen:

  • gute Farbwiedergabe

  • ordentliche Dynamik

  • angenehmer Gesamteindruck

Schwächen zeigen sich häufiger bei feinen Details, besonders indoor. Da wirken manche Aufnahmen etwas weicher, als man es von den absolut besten Kamera-Flaggschiffen erwartet.

Porträt und Personen

Porträts machen Spaß:

  • Hauttöne wirken korrekt

  • Licht und Belichtung sitzen

Aber auch hier: Die Detailzeichnung ist nicht immer „Wow-Flaggschiff“. Kantenfreistellung und Micro-Details könnten besser sein.

Tele und Ultraweitwinkel

Die Tele-Kamera punktet mit OIS: Zoom-Shots sind stabil und farblich stimmig. Hybrid-Zoom macht Spaß, aber je weiter man über den optischen Bereich hinausgeht, desto eher sieht man typische Nachbearbeitungsartefakte.

Ultraweitwinkel liefert mehr Details als bei vielen kleineren Sensoren, aber die Farbstabilität ist nicht ganz so sauber wie bei Haupt- und Tele-Kamera.

Schwaches Licht und Bewegung

OIS hilft deutlich bei Nacht, und die Fotos sind brauchbar bis gut – allerdings ist der Night-Mode teils etwas langsam.

Bei schnell bewegten Motiven war das OnePlus 15 nicht immer treffsicher. Der Schnell-Bewegungsmodus hilft, aber es gibt Geräte, die das zuverlässiger lösen.

Das größte Thema ist die Nachbearbeitung: Wenn das Phone „merkt“, dass das Bild schwierig war, kann es zu stark korrigieren. Ergebnis:

  • verwaschene Details

  • unnatürliche Texturen

  • leicht „künstliche“ Fotos

Das ist genau der Bereich, in dem Software-Updates sehr viel bringen können.

Auch die Frontkamera war nicht immer konstant: Autofokus saß gelegentlich nicht, manche Selfies mussten wiederholt werden.

Video: echtes Flaggschiff-Feature

Video ist eine klare Stärke.

Das OnePlus 15 unterstützt 4K bei 120 fps mit Dolby Vision HDR – ein ernstzunehmendes Creator-Feature. Zoom funktioniert im Video sehr gut, Farben und Belichtung wirken korrekt, und das Gesamtbild ist hochwertig.

Bei schnellen Bewegungen sieht man noch etwas Unschärfe, aber unterm Strich ist Video ein Bereich, in dem das OnePlus 15 sehr überzeugend ist.

Alltag: warum man es schnell mag

Das OnePlus 15 hat extrem starke Basics:

  • Top-Display

  • kompromisslose Performance

  • sehr gute Konnektivität und Stereo-Sound

  • gute Kühlung

  • OxygenOS wirkt schnell, modern und funktionsreich

  • und der Akku ist schlicht absurd stark

Das ist ein Smartphone, bei dem andere zum Powerbank greifen, während du noch bei 70% stehst – trotz Always-On-Display und einem Tag ohne Steckdose.

Der Punkt, an dem man merkt, dass man nicht „das absolut oberste Regal“ gekauft hat, ist die Kamera-Konstanz. Sie ist nicht schlecht – aber die Allerbesten liefern in kritischen Situationen (Indoor, Motion, Hybrid-Zoom) einfach zuverlässiger.

Vorteile und Nachteile

Vorteile

  • Enorme Akkulaufzeit dank 7300 mAh (realistische Mehrtag-Nutzung)

  • Sehr schnelles Laden: 120 W kabelgebunden, 50 W kabellos (mit kompatibler Hardware)

  • Starkes LTPO-AMOLED mit 165 Hz

  • Flaggschiff-Performance (Snapdragon + 16 GB RAM)

  • Gute Thermik, nur milde Drosselung unter Last

  • Sehr starke Video-Features (4K 120 fps Dolby Vision HDR)

  • Praktisches Design mit minimalem Wackeln

  • Hohe Robustheit (IP68/IP69K)

Nachteile

  • Foto-Processing nicht immer konstant, besonders indoor und bei Hybrid-Zoom

  • Bewegte Motive und Night-Mode könnten schneller/zuverlässiger sein

  • Maximale Ladeleistung hängt am OnePlus-Ökosystem, USB-PD erreicht oft nicht die Top-Werte

  • Plus Key wäre mit Multi-Press-Optionen deutlich besser



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